Positive Grid Reactor: Revolution oder Marketing? Ein neuer Gitarrenverstärker mit KI, der mit Musikern „sprechen“ kann
Automatische Übersetzung. Russisches Original
Das Unternehmen Positive Grid, das eine der erfolgreichsten Smart-Amp-Serien der letzten Jahre – Spark– hervorgebracht hat, präsentiert ein neues Produkt namens Reactor. Es ist nicht einfach nur ein weiterer digitaler Combo-Verstärker für Gitarristen. Der Hersteller bietet ein ungewöhnliches Konzept an: einen Verstärker, mit dem man fast wie mit einem Menschen kommunizieren kann und der in der Lage ist, Klänge auf Basis von Texteingaben, Fotos und Musikbeispielen zu erstellen.

Vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen Diskussion über künstliche Intelligenz bleibt die Einstellung zu solchen Technologien zwiespältig. Viele Nutzer sind müde von dem ständigen Gerede über KI und dem Versprechen, dass sie die Welt zum Besseren verändern wird. In den letzten Jahren haben sich die Erwartungen an generative künstliche Intelligenz weitgehend in Skepsis verwandelt: Manche fürchten den Verlust von Arbeitsplätzen, andere halten die Technologien für ungerechtfertigt teuer, und wieder andere sehen keinen praktischen Nutzen darin.
Besonders vorsichtig steht die Musik-Community solchen Innovationen gegenüber. Viele Musiker stehen Musik und Kunst, die vollständig von künstlicher Intelligenz geschaffen wurden, kritisch gegenüber und halten solche Werke sowohl aus künstlerischer als auch aus ethischer Sicht für zweifelhaft.
Doch es stellt sich die Frage: Sind tatsächlich alle Formen der Nutzung von maschinellem Lernen schädlich, oder gibt es doch sinnvolle Möglichkeiten, die Technologie einzusetzen? Genau vor diesem Hintergrund Positive Grid bringt seinen neuen Verstärker auf den Markt Reactor, der ein neues Kapitel in der Entwicklung digitaler Gitarrensysteme aufschlägt

Was ist Positive Grid Reactor?
Von Anfang an betont das Unternehmen ein wichtiges Detail: Reactor ist kein Teil der Spark.
-Serie. Obwohl die Spark -Serie in den letzten fünf Jahren dank einer Kombination aus hochwertigem Modeling, Benutzerfreundlichkeit und einem entwickelten App-Ökosystem eine enorme Popularität bei Gitarristen erlangt hat, wurde der neue Verstärker als eigenständige Plattform konzipiert.
Zuvor hatte das Unternehmen bereits versucht, die Spark -Familie über das häusliche Üben hinaus zu erweitern. Zum Beispiel:
- Spark Cab erlaubte die Nutzung von Spark-Verstärkern bei Konzerten;
- Spark Edge und Spark Live waren auf die Zusammenarbeit mit ganzen Musikbands ausgerichtet.
Dennoch blieben die Wurzeln von Spark immer eng mit dem häuslichen Üben verbunden.
Deshalb beschlossen die Ingenieure von Positive Grid eine völlig neue Plattform zu schaffen, die die besten Lösungen aus der Welt von Spark und dem professionellen Software-Komplex BIAS Xvereint, aber alles in einem vollwertigen Konzertverstärker umsetzt.

Was ist Amp Intelligence?
Das Hauptmerkmal der Neuheit ist das System Amp Intelligence.
Obwohl sich auf dem Bedienfeld des Verstärkers die Bezeichnung AI befindet, stellt das Unternehmen klar, dass dies in diesem Fall nicht für Artificial Intelligence (künstliche Intelligenz), sondern für Amp Intelligence.
steht. Laut den Entwicklern handelt es sich bei der Technologie um eine neue Art von Sound-Engine, die in der Lage ist, Klänge auf Anfrage des Benutzers zu erstellen.
In der Praxis handelt es sich um einen KI-Assistenten, der auf über 200 verschiedenen Verstärkern trainiert wurde. Das System analysierte die tatsächlichen schaltungstechnischen Besonderheiten der Geräte:
- Verstärkerstufen;
- Transformatoren;
- Bias-Parameter;
- harmonische Charakteristika;
- Ansprechverhalten verschiedener Schaltkreise.
Auf Basis dieser Daten kann das System den gewünschten Sound erstellen und dem Benutzer vorschlagen.

Wie funktioniert das „Gespräch“ mit dem Verstärker?
Über die App Reactorkann der Musiker dem Verstärker den gewünschten Sound auf verschiedene Weise erklären:
- durch eine Textbeschreibung;
- durch ein Foto;
- durch eine Audiodatei;
- durch ein aufgenommenes Musikfragment.
Nach der Datenanalyse schlägt das System mehrere Preset-Varianten vor.
Anschließend kann der Benutzer das erhaltene Ergebnis manuell über die App oder direkt am Bedienfeld des Verstärkers verfeinern.
Außerdem wird angegeben, dass sich das System den Geschmack des Eigentümers nach und nach merkt und mit der Zeit präziser Sounds vorschlägt, die seinen Vorlieben entsprechen.

Technische Spezifikationen Reactor 50
Die Basisversion hat eine Leistung von 50 W.
Zur Ausstattung gehören:
- ein speziell entwickelter 12-Zoll-Lautsprecher;
- Leistungsmodi 50 W, 25 W und 1 W;
- Line-Ausgang mit Cabinet-Emulation;
- USB-C für direkte Aufnahmen in den Computer;
- MIDI;
- Kopfhörerausgang;
- Power Amp Eingang;
- Effekt-Loop;
- Bluetooth für die App-Nutzung und Musikwiedergabe.
Im Inneren des Verstärkers sind verfügbar:
- 24 Verstärkermodelle;
- 28 Effekttypen.
Auf dem Bedienfeld kann einer von sechs Grundtypen von Verstärkern ausgewählt werden – von cleanem Sound bis zu extremem Overdrive – sowie acht vorgefertigte Signalketten genutzt werden.
Verarbeitungsqualität und Ergonomie
Nach dem Auspacken hinterlässt der Verstärker den Eindruck eines hochwertigen Geräts.
Das Gewicht des Modells beträgt 10,4 kg. Das ist etwa ein Kilogramm leichter als der Boss Katana 50, aber etwas schwerer als der Blackstar ID:X.
Das Gehäuse besteht aus Holz und wirkt robust.
Die Oberfläche ist im klassischen Stil gehalten:
- schwarzes Vinyl;
- schwarz-goldener Bespannstoff;
- ein aufgeräumtes Bedienfeld.
Die Regler, Schalter und Tasten vermitteln das Gefühl einer hochwertigen Ausrüstung einer höheren Preisklasse.

Funktion der App
Die Verbindung zur App erfolgt schnell und problemlos.
Beim Test auf dem iPhone 16 wurde die Verbindung in Sekundenschnelle aufgebaut.
Die App ermöglicht es, die Signalkette in Echtzeit zu bearbeiten, und alle Änderungen werden sofort auf dem Verstärker angezeigt.
Es gibt jedoch einen umstrittenen Punkt.
Statt der üblichen Bilder bekannter Verstärker und Effekte haben die Entwickler KI-generierte Grafiken verwendet.
Der Rezensent kritisierte diese Entscheidung scharf und stellte fest, dass:
- die Bilder unnatürlich aussehen;
- es visuell schwer ist, den Gerätetyp zu bestimmen;
- die Benutzeroberfläche für Anfänger weniger intuitiv wird.
Seiner Meinung nach wäre die Verwendung von Arbeiten von Künstlern eine bessere Lösung gewesen.

ToneCloud und zusätzliche Möglichkeiten
Obwohl der App einige Lernfunktionen von Sparkfehlen, wie z. B. SmartJam, erhalten die Nutzer weiterhin Zugriff auf den Dienst ToneCloud.
Die Plattform ermöglicht:
- Presets anderer Benutzer zu suchen;
- fertige Einstellungen herunterzuladen;
- eigene Sounds zu teilen.
Dem Erfolg des Spark-Ökosystems nach zu urteilen, könnte die Preset-Bibliothek mit der Zeit sehr umfangreich werden.

Wie gut funktioniert Amp Intelligence?
Im Bereich Creator Hub erhält der Benutzer vier Möglichkeiten zur Interaktion mit dem System.
Der naheliegendste Weg ist eine Textbeschreibung.
Die Erwartungen entsprechen hier jedoch nicht immer der Realität.
Trotz der Behauptung des Unternehmens, fast jeden Sound erzeugen zu können, stellte der Rezensent fest, dass das System tatsächlich auf der Basis der bereits vorhandenen 24 Verstärkermodelle arbeitet und diese durch Equalizing und Effekte modifiziert.
Versuche, völlig neue Hybridverstärker zu entwickeln – zum Beispiel solche, die den Clean-Sound von Fender und die Aggressivität von Marshall kombinieren – waren nicht von Erfolg gekrönt.
Wie schlau ist der Chatbot?
Wie die meisten modernen KI-Systeme funktioniert Amp Intelligence nicht perfekt.
Manchmal versteht es die Aufgabe schnell und liefert ein exzellentes Ergebnis.
Manchmal schlägt es Lösungen vor, die deutlich vom Wunsch des Benutzers abweichen.
Zudem neigt das System dazu, die Signalkette zu verkomplizieren, indem es zusätzliche Effekte hinzufügt, anstatt bestehende Parameter einfach anzupassen.
In einigen Fällen ignorierte der Verstärker die Anfragen des Benutzers komplett und behauptete dabei, die gestellte Aufgabe erfüllt zu haben.
Dies führte zu einer Art „Streit“ zwischen Musiker und Verstärker.
Dennoch zeigt das System bei einfachen und klaren Anfragen recht ordentliche Ergebnisse.
Analyse von Songs und Fotos
Interessanterweise funktioniert die Analyse von Musikfragmenten oft genauer als Textbefehle.
Wenn das System ein konkretes Klangbeispiel hört, versteht es die gestellte Aufgabe besser.
Die Bildanalyse-Funktion wirkt eher unterhaltsam, zeigt aber manchmal unerwartete Ergebnisse.
Zum Beispiel:
- ein Foto eines echten Verstärkers veranlasst das System, dessen Charakter zu reproduzieren;
- eine Aufnahme einer ungewöhnlichen Aluminium-Gitarre Klang DC führte zur Erstellung schwerer und düsterer Presets;
- sogar das Foto einer Katze erhielt eine eigene Klangbeschreibung, die ihren Charakter widerspiegelt.
Die Funktion Fix My Tone
Ein besonderes Augenmerk verdient das Tool Fix My Tone.
Es analysiert den aktuellen Sound des Benutzers und schlägt Möglichkeiten zur Verbesserung vor.
Diese Funktion kann besonders für angehende Musiker nützlich sein, da das System erklärt:
- was genau geändert wird;
- warum die eine oder andere Anpassung vorgeschlagen wird;
- wie verschiedene Elemente der Kette den endgültigen Klang beeinflussen.
Dies hilft, die Funktionsprinzipien echter Geräte besser zu verstehen.
Arbeitsgeschwindigkeit
Obwohl der Hersteller die Erstellung von Presets in Sekunden verspricht, kann die Wartezeit in der Praxis deutlich länger sein.
Besonders langsam sind Anfragen, die mit der Bildanalyse verbunden sind.
In Einzelfällen dauerte die Verarbeitung ein bis zwei Minuten.
Der Tester merkt jedoch an, dass er eine vorläufige Testversion der App verwendete, daher kann die Arbeitsgeschwindigkeit nach der offiziellen Veröffentlichung verbessert werden.
Wie klingt der Reactor?
Das Wichtigste ist die Klangqualität.
Und hier Positive Grid Reactor 50 hinterlässt einen sehr starken Eindruck.
Zunächst einmal erwies sich der Verstärker als unglaublich laut.
Für einen 50-Watt-Digital-Combo ist seine Lautstärkereserve mehr als ausreichend, um in einer kleinen Band zu spielen.
Selbst bei maximaler Lautstärke bleibt der Klang sauber und definiert.
Der 25-W-Modus bietet ebenfalls eine solide Leistungsreserve.
Selbst im 1-W-Modus behält der Verstärker die Dichte, den Charakter und die Dynamik des Klangs bei, was ihn für das Üben zu Hause komfortabel macht.
Qualität der Verstärkermodelle
Wenn man vom umstrittenen optischen Design absieht, verdienen die Verstärkermodelle selbst eine hohe Bewertung.
Nach Meinung des Rezensenten übertreffen sie den Klang der Serie deutlich Spark und kommen der Qualität professioneller Studiomodelle aus BIAS X.
wesentlich näher. Der 12-Zoll-Lautsprecher überträgt erfolgreich die Tiefe und das Volumen des Klangs.
Zusätzliche Einstellungen
Für die Feinabstimmung des Klangcharakters sind zwei Schalter vorgesehen:
Heat
Ermöglicht die Änderung der Verstärkeransprache und der Obertöne, ohne die Lautstärke zu verändern.
Der Effekt ist besonders bei verzerrten Klängen spürbar.
Smooth / Push
Erfüllt faktisch die Rolle einer zusätzlichen Mittenregelung.
- Push hilft dabei, sich besser im Mix durchzusetzen.
- Smooth macht den Klang weicher und angenehmer für Rhythmusparts.
Effekte
Das Effektset ist von hoher Qualität.
Besonders gut gelungen sind die Verzerrer-Pedale, die traditionell eine Stärke der Produkte von Positive Grid.
sind. Der Benutzer kann verwenden:
- einen Verzerrer;
- einen Modulationseffekt;
- ein Delay;
- einen Hall.
Dabei sind im Hall-Block acht verschiedene Algorithmen verborgen, darunter:
- Room;
- Hall;
- Plate;
- Chamber.
Das Fehlen eines Federhalls wirkt etwas überraschend.
Arbeit mit Pedalen
Ein positiver Punkt ist die Möglichkeit, die Anordnung der Effektblöcke innerhalb der Kette frei zu ändern.
Dies ist besonders nützlich, wenn ein externes Pedalboard-System über den Effektweg verwendet wird.
Der Verstärker kommt auch gut mit externen Pedalen zurecht, einschließlich komplexer Phaser, Fuzz-Pedale und räumlicher Halls.
Abschließende Eindrücke
Der Rezensent merkt an, dass der Marketing-Fokus auf Amp Intelligence dem Gerät schaden könnte.
Viele werden den Reactor ausschließlich als „Verstärker mit künstlicher Intelligenz“ wahrnehmen, ohne auf seine wirklichen Vorzüge zu achten.
In der Praxis bleibt der Positive Grid Reactor 50 jedoch selbst ohne Nutzung der KI-Funktionen einer der interessantesten und funktionsreichsten günstigen Modeling-Verstärker auf dem heutigen Markt.
Er bietet:
- exzellente Klangqualität;
- hohe Lautstärke;
- bequeme Bedienung;
- reiche Einstellmöglichkeiten;
- durchdachte Integration mit der mobilen App.
Ein Musiker kann seine Presets einmal über die App einstellen und den Verstärker dann jahrelang bei Proben und Konzerten verwenden, ohne das Programm praktisch wieder öffnen zu müssen, da sich alle notwendigen Bedienelemente direkt am Gerät befinden.